Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, meist einfach KGV genannt, zählt zu den am häufigsten verwendeten Kennzahlen in der Aktienbewertung. Es setzt den aktuellen Börsenkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie und gibt damit einen ersten Anhaltspunkt dafür, wie ein Unternehmen an der Börse eingeschätzt wird. Ein niedriges KGV spricht oft für eine eher günstige Bewertung, während ein höherer Wert meist mit Erwartungen an weiteres Wachstum verbunden ist.
Als grobe Orientierung gilt oft: Liegt das KGV unter 10, wird eine Aktie häufig als günstig eingestuft. Notiert es darüber, sprechen viele Anleger eher von einer ambitionierten oder teuren Bewertung. Ganz so einfach ist die Sache in der Praxis aber nicht. Ein niedriges KGV allein ist noch kein Garant für steigende Kurse. Es gibt immer wieder Unternehmen, deren Aktien trotz sehr niedriger Bewertung über lange Zeit kaum vom Fleck kommen.
Genauso wenig bedeutet ein hohes KGV automatisch, dass eine Aktie gemieden werden sollte. Gerade bekannte Wachstumsunternehmen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass auch hoch bewertete Aktien weiter steigen können. Beispiele dafür sind Unternehmen wie Apple oder Amazon, die über viele Jahre hinweg trotz anspruchsvoller Bewertung eine starke Entwicklung hingelegt haben.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Blick auf Warren Buffett. Die Investmentlegende galt lange als skeptisch gegenüber hoch bewerteten Technologieaktien und investierte erst ab 2016 in Apple. Das zeigt, dass auch erfahrene Investoren ihre Sichtweise anpassen, wenn sie die Qualität und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens überzeugt.
Unterm Strich ist das KGV also eine hilfreiche Kennzahl, aber keine Entscheidungshilfe, die für sich allein ausreicht. Wer Aktien bewertet, sollte immer auch andere Faktoren berücksichtigen – etwa das Geschäftsmodell, die Wachstumsaussichten und die Qualität des Unternehmens.
Fazit
Für kurzfristige Anlageentscheidungen spielen fundamentale Kennzahlen wie KGV, KBV oder KUV in der Praxis oft nur eine untergeordnete Rolle. Deutlich wichtiger werden sie meist erst dann, wenn die Märkte spürbar unter Druck geraten oder sich ein klarer Abwärtstrend entwickelt. Gerade in schwachen Börsenphasen rückt die Frage nach der Bewertung vieler Aktien stärker in den Fokus. Senken Analysten in solchen Situationen ihre Kursziele, kann das zusätzlichen Druck auf die Kurse ausüben und bestehende Abwärtsbewegungen noch verstärken.